Mehr Gesundheitsspanne im Leben durch verbesserte Telomer-Gesundheit: Mit Fitnesstraining & dem Longevity-Trend das biologische Alter selbst in die Hand nehmen!
Daniel Schoon
Einleitung
Das Statistische Bundesamt (Destatis) verzeichnete Anfang 2022 die höchste Anzahl an Menschen, die das beeindruckende Alter von ĂŒber hundert Jahren im letzten Jahrzehnt in Deutschland erreicht haben â ein klares Anzeichen dafĂŒr, dass die zukĂŒnftige Lebenserwartung in der digitalen Gesellschaft trotz der Verdopplung von Krankheitszahlen seit 2007 unter Arbeitnehmern zunimmt. Doch stellt sich die Frage, ob das ZurĂŒckdrehen der biologischen Uhr lediglich ein einfacher Wunschtraum bleibt oder ob es tatsĂ€chlich in den Bereich des Machbaren rĂŒckt, die Lebens- und Gesundheitsspanne zu verlĂ€ngern. Anhand der prĂ€sentierten Daten zeichnet sich jedoch eine ganz andere RealitĂ€t ab, die durch die Zunahme von Krankheitstagen seit den 1990er Jahren trotz Arbeitserleichterungen unterstrichen wird. Diese Entwicklung wirft ein Licht auf das MissverhĂ€ltnis zwischen einer steigenden Lebenserwartung und der tatsĂ€chlichen zugrundeliegenden LebensqualitĂ€t in den letzten Lebensjahren. Zwischen dieser Diskrepanz könnte nun aber ein neuer Trend die Lösung bieten, Longevity zu Deutsch auch Langlebigkeit, ein relativ junger Trend, der einen ganz anderen Blickwinkel auf LebensqualitĂ€t und Gesundheit wirft und diese Themen mit seiner ganz besonderen Art auf eigene Weise revolutioniert und zugleich dabei fasziniert. [1],[2]
Longevity = Biologisches Alter?
Bevor wir uns in diesem Artikel dem eigentlichen Longevity-Trend widmen, mĂŒssen wir erstmal das verstehen, was wir damit beeinflussen wollen, nĂ€mlich das biologische Alter.
Hierzu erklÀrt das Max-Planck-Institut Folgendes auf seiner Website:
âWenn man nach dem Alter gefragt wird, gibt man ĂŒblicherweise das chronologische Alter an, also die Anzahl der Jahre, die seit der Geburt vergangen sind. Doch das chronologische Alter gibt nur bedingt Auskunft ĂŒber den tatsĂ€chlichen Gesundheitszustand einer Person. Manche Menschen können mit 50 Jahren noch problemlos einen Marathon laufen, wĂ€hrend andere bereits bei alltĂ€glichen AktivitĂ€ten wie dem Treppensteigen Schwierigkeiten haben. Um ein genaueres Bild vom Zustand des Körpers zu erhalten, wird das biologische Alter herangezogen, das anhand verschiedener Biomarker des menschlichen Körpers bestimmt wird.â [3]

Man unterscheidet also zwischen dem chronologischen Alter, dem wirklichen Alter einer Person als reine Zeitangabe und dem biologischen Alter, was den echten Zustand des Körpers sowie den seiner Organe anzeigt.
Wie man aus der Definition des Max-Planck-Instituts unschwer erkennen kann, sagt das kalendarische Alter also absolut nichts ĂŒber den aktuellen Zustand der körperlichen Fitness oder Gesundheit aus:
Körperliche Fitness ist also vorwiegend altersunabhĂ€ngig und trainierbar. WĂ€hrend es natĂŒrlich Ausnahmeerscheinungen gibt, wie z.B. Fauja Singh der mit 100 noch einen Marathonlauf gefinished hat, gibt es Personen, die mit 50 bereits nicht mehr leistungsfĂ€hig genug sind, um den Alltag zu bestreiten. Hieran erkennt man sofort, dass Alter wirklich nur eine Zahl zu seinen scheint, wie ein altbekanntes Sprichwort sagt. [4]
Was ist jetzt Longevity?
Longevity vom gesamten AusmaĂ zu erklĂ€ren ist viel zu umfangreich. In der Einfachheit dieses Trends dieser besonderen Einstellung zum Leben bedeutet Longevity, so lange wie nur eben möglich gesundheitlich & mental topfit zu bleiben, sich den Meisterschaften des gesamten Lebens aktiv stellen zu können und das Leben mit so wenig Krankheit so lange wie möglich genieĂen zu können. Bei Longevity geht es darum, die Gesundheitsspanne im Leben zu verlĂ€ngern, den natĂŒrlichen Alterungsprozess deutlich hinauszuzögern. Grundlegend auf einer Art von neusten Erkenntnissen auf Wissenschaft & Medizin, die echte Gesundheit und dadurch Langlebigkeit schafft und nicht nur die Krankheit gemanaged wird sondern diese gar nicht erst entsteht.
Die Bedeutung der Telomere fĂŒr die Langlebigkeit/Longevity
Einer der faszinierendsten Fortschritte in der Wissenschaft der Altersforschung fĂŒr Langlebigkeit ist das VerstĂ€ndnis der Rolle, die Telomere bei dem natĂŒrlichen Alterungsprozess einnehmen. Telomere sind die Schutzendkappen unserer Zellen und maĂgebend fĂŒr die Erhaltung der Funktion unserer DNA bei jeder stattfindenden Zellteilung. Ihre LĂ€nge dient hierbei quasi als biologische Uhr; mit jeder Teilung verlieren sie an LĂ€nge, bis die Zelle daraufhin ihre TeilungsfĂ€higkeit verliert, was ein zentrales Merkmal des Alterungsprozesses ist. Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Lebenstilinterventionen einen direkten Einfluss auf die TelomerlĂ€nge hatten. Eine ungesunde Lebensweise, ĂŒbermĂ€Ăiger Stress, eine ErnĂ€hrung mit hohem Zucker- und schlechtem Fettanteil sowie Zigaretten- und Alkoholkonsum können die Telomere schneller verkĂŒrzen und somit den Alterungsprozess beschleunigen. Umgekehrt haben Studien, wie eine Untersuchung von Brandao et al. (2020), eindrucksvoll belegt, dass regelmĂ€Ăige körperliche AktivitĂ€t, die VerkĂŒrzung der Telomere verlangsamen bzw. umkehren kann. Dies liefert eine solide wissenschaftliche Basis fĂŒr den Ansatz, durch gezielte LebensstilĂ€nderungen nicht nur das biologische Alter zu beeinflussen, sondern auch die QualitĂ€t und damit die Gesundheitsspanne im Leben zu verbessern. [6] Nachdem die zentrale Rolle der Telomere im Alterungsprozess und der Einfluss des Lebensstils auf deren LĂ€nge bereits aufgezeigt wurde, stellt sich hierbei nun die Frage, wie man seine Telomer-Gesundheit selbst in die Hand nehmen kann und damit einen eigenen Beitrag zu einem lĂ€ngeren, gesĂŒnderen und fitteren Leben mit mehr QualitĂ€t leisten kann. Neueste Studienergebnisse belegen insbesondere die Wirksamkeit von Ausdauer und hochintensivem Intervalltraining (HIIT) in Bezug auf die Zellgesundheit und die VerlĂ€ngerung der Telomere.Eine wirklich spannende Studie, durchgefĂŒhrt von Kardiologen des Uniklinikums in Leipzig, zeigt deutlich, dass der Nutzen von Ausdauertraining die Telomerase-AktivitĂ€t stimuliert und die Telomere verlĂ€ngert, was also eine VerjĂŒngung auf zellulĂ€rer Ebene bedeutet.Dazu konnte im Gegenzug ein solcher Effekt bei dieser Studie beim reinen Krafttraining enttĂ€uschenderweise nicht aufgezeigt werden, was die besondere Bedeutung im Kontext zur Telomergesundheit von Ausdauertraining unterstreicht. [7]In dieser sechsmonatigen Studie wurde bei den Studienteilnehmern eine signifikante Zunahme der Telomerase-AktivitĂ€t und der TelomerlĂ€nge in den Gruppen, die Ausdauer- und Intervalltraining absolvierten, im Vergleich zu den Gruppen, die Krafttraining durchfĂŒhrten oder inaktiv blieben, gezeigt. Dies unterstreicht die Annahme, dass ein Training der AusdauerfĂ€higkeiten nicht nur die körperliche LeistungsfĂ€higkeit und Fitness verbessert, sondern auch auf Zellebene zu einem besonderen VerjĂŒngungseffekt fĂŒhrt. DarĂŒber hinaus legen die festgestellten Ergebnisse nahe, dass ein Training der AusdauerfĂ€higkeiten insbesondere fĂŒr die Herzgesundheit von entscheidender Bedeutung ist, indem es die kardiovaskulĂ€re Zellalterung positiv beeinflusst. Krafttraining bleibt trotzdem ein wichtiger Bestandteil fĂŒr die Gesundheit, gerade zu dem fortschreitenden Muskelschwund ab dem 25. Lebensjahr, Sarkopenie genannt, doch fĂŒr den maximalen Nutzen fĂŒr die Förderung der Telomer-Gesundheit sollte es anhand der Ergebnisse nicht als Ersatz fĂŒr Ausdauertraining gesehen werden.
Das besondere Puzzleteil im Longevity Trend – Telomerase
Ein sehr wichtiges PuzzlestĂŒck im Spiel der Langlebigkeit ist die Telomerase. Dieses wertvolle Enzym hat die einzigartige FĂ€higkeit, Telomere zu verlĂ€ngern – eben jene schĂŒtzenden Endkappen unserer Chromosomen, die mit jeder Zellteilung kleiner werden und so den Prozess des Alterns markieren. Die Aktivierung dieses Enzyms könnte demnach den natĂŒrlichen Alterungsprozess verlangsamen, indem sie die Telomere erneuert und dadurch die Lebensdauer der Zellen verlĂ€ngert. Aktuelle Untersuchungen in dem Bereich der Altersforschung deuten darauf hin, dass eben wie gezeigt Lebensstilfaktoren wie ErnĂ€hrung, Training sowie Stressmanagement die Telomerase-AktivitĂ€t positiv beeinflussen können, was uns eine einzigartige Möglichkeit bietet, aktiv auf zellulĂ€rer Ebene auf die Gesundheitsspanne und damit auf unsere Lebenszeit und das biologische Alter einzuwirken.[8],[9],[10]
Weitere MaĂnahmen zur Verbesserung der Telomer-Gesundheit
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ErnÀhrungsumstellung
Eine nĂ€hrstoffreiche ErnĂ€hrung, die vor allem bspw. reich an Antioxidantien, Vitaminen und Omega-3-FettsĂ€uren ist, spielt eine maĂgebende Rolle bei der Aufrechterhaltung der LĂ€nge der Telomere. Lebensmittel wie Beeren, NĂŒsse, Fisch und dunkelgrĂŒnes BlattgemĂŒse sollten unbedingt in der persönlichen ErnĂ€hrungsweise integriert werden. Die Reduzierung von stark verarbeiteten Lebensmitteln, Einfachzucker und gesĂ€ttigten Fetten trĂ€gt zusĂ€tzlich zur Förderung der Zellgesundheit bei.[10]
RegelmĂ€Ăiges Muskeltraining
Wie die Studie des Uniklinikums Leipzigs zeigt, hat Krafttraining noch keinen belegten positiven Effekt auf die TelomerlÀnge. Dennoch wissen wir, das Krafttraining einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat. Aber nicht nur Krafttraining, sondern auch Trainingsformen wie Yoga und Tai Chi tragen zur Erhaltung der Gesundheit bei.
Die Kombination verschiedener Trainingsformen scheint, wie die zweite genannte Arbeit von Brandao et al. zeigt, dabei also besonders vorteilhaft zu sein. Als Empfehlung kann man sich hier ebenfalls auch klar trotz der nicht belegten Effekte fĂŒr Muskeltraining gerade in Kombination mit Ausdauertraining aussprechen.
Stressmanagement
Chronischer Stress ist ein Risikofaktor, der zur Beschleunigung der TelomerverkĂŒrzung beitrĂ€gt. Methoden zur Stressreduktion, wie Meditation und regelmĂ€Ăige EntspannungsĂŒbungen, können helfen, das Stressniveau zu reduzieren und dadurch die Telomer-Gesundheit zu fördern. [11],[12]
Ausreichend Schlaf
Die QualitĂ€t und QuantitĂ€t des Schlafes haben direkten Einfluss auf die TelomerlĂ€nge. Studien haben gezeigt, dass ein regelmĂ€Ăiger, erholungsreicher Schlaf, der 7-8 Stunden pro Nacht umfasst, fĂŒr die Aufrechterhaltung der TelomerlĂ€nge wesentlich ist.[11]
Soziale Kontakte pflegen
Auch positive soziale Interaktionen und zwischenmenschliche Beziehungen wirken sich nicht nur vorteilhaft auf unser emotionales Wohlbefinden aus, sondern können auch die Telomer-Gesundheit unterstĂŒtzen. Soziale Bindung hilft, Stress abzubauen und die Freude am Leben und Zufriedenheit zu fördern. [10] Indem wir diese praktischen Lifehacks fĂŒr uns umsetzen, können wir aktiv unsere Telomer-Gesundheit beeinflussen und somit einen wichtigen Beitrag zu unserer Langlebigkeit und LebensqualitĂ€t leisten und unsere eigene persönliche Longevity Challenge meistern. Die Investition in unsere Gesundheit und in vorbeugende MaĂnahmen zur Erhaltung der TelomerlĂ€nge ermöglicht es uns, nicht nur lĂ€nger, sondern auch wesentlich gesĂŒnder, mit weniger Krankheitsspanne zu leben. [13]
Kritische Perspektive und Grenzen:
Um ein wirklich grundlegendes VerstĂ€ndnis fĂŒr Longevity zu erlangen, ist es unabdingbar, nicht nur die Vorteile, sondern auch die potenziellen Grenzen und Risiken der vorgeschlagenen Methoden zu berĂŒcksichtigen. Eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den möglichen Nebenwirkungen und auch Kontraindikationen von intensivem Ausdauertraining und spezifischen DiĂ€tempfehlungen ist also vonnöten. Auch ein krankhaftes Interesse an Gesundheit kann einen belasten. Diese ErklĂ€rung soll keineswegs Hindernis darstellen, sondern vielmehr dazu dienen, ein ausgewogenes und informiertes Bild zu diesem Trend zu zeichnen. Es ist also essenziell, die individuelle Situation jedes Einzelnen zu berĂŒcksichtigen, da nicht jede Empfehlung universell auch in diesem Konzept anwendbar ist. Die Sensibilisierung fĂŒr die eigenen Reaktionen des Körpers und mögliche Signale, die auf eine Ăberanstrengung oder UnvertrĂ€glichkeit hinweisen, spielt eine entscheidende Rolle in der persönlichen Gesundheitsstrategie.

Mein persönliches Fazit
Die Zukunft selbst in die Hand nehmen und formen, und zwar durch Ănderung des Lebensstils, um an seiner biologischen Uhr zurĂŒckzudrehen. Die Inhalte des Artikels zeigen, dass wir weit mehr Kontrolle ĂŒber unser Alter und unsere Gesundheit haben, als wir vielleicht selbst denken und erahnen können. Es ist eine Erkenntnis mit ganz guter Aussicht: Auch wenn Gesundheit nicht immer planbar ist, so ist der derzeitige Zustand auch unter Krankheit mit Sicherheit positiv beeinflussbar, gerade durch unsere tagtĂ€glichen Entscheidungen, die wir treffen â was wir zu uns nehmen, wie wir leben und uns bewegen, ob wir trainieren, wie wir Stress entgegnen und wie wir unsere sozialen Kontakte pflegen â das zeigt, dass wir gröĂeren Einfluss darauf haben, unser persönliches MaĂ der Lebenszeit nicht nur zu verlĂ€ngern, sondern uns auch mit besseren Jahren und vielleicht weniger Krankheit selbst beschenken zu können. Der Longevity-Trend ist also kein banaler Hype, sondern ein lebensbejahendes Mindsetting, aktiv fĂŒr unsere körpereigene Fitness & Gesundheit einzustehen und unter UmstĂ€nden fĂŒr ein lĂ€ngeres Leben zu sorgen. Er liefert starke Anreize, Krankheiten nicht einfach hinzunehmen, sondern als etwas, das wir aktiv mitbeeinflussen können. Lassen Sie sich von diesem Artikel motivieren, den primĂ€ren Schritt zu einem lĂ€ngeren, gesĂŒnderen und besseren Leben zu machen. Es ist nie zu spĂ€t, um zu beginnen â auĂer, wenn es erstmal zu spĂ€t ist. Jede wirklich noch so kleine VerĂ€nderung zĂ€hlt dabei und kann den Unterschied machen. Die persönliche Longevity-Challenge kann jetzt beginnen. Lieber Leser, treffen Sie bewusste Lebensstilentscheidungen, um die eigene Lebenszeitspanne mit mehr QualitĂ€t zu fĂŒllen und gestalten Sie aktiv Ihre eigene persönliche gesundheitliche Zukunft.

Ăber den Autor
Daniel Schoon, Jahrgang 89, aus Leer Ostfriesland ist Fitness- und Gesundheitsexperte, Fitnessautor, Podcasthost vom Fitnessfachtalk und leitet einen Premium Fitnessclub.
Quellen und Literaturangabe liegen beim Autor vor!

