Sarkopenie: Die heimtĂŒckische Gefahr, die Sie kennen sollten
von Daniel Schoon


In einer sich stetig weiterentwickelnden Welt, die von Digitalisierung, vereinfachten Arbeitsprozessen und der stĂ€ndigen VerfĂŒgbarkeit digitaler Medien geprĂ€gt ist, nimmt die Bewegung im Alltag in den letzten Jahren immer weiter ab.
Laut einem kĂŒrzlich veröffentlichten Bericht der Deutschen Krankenversicherung (DKV) in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln sitzt jeder BundesbĂŒrger im Durchschnitt werktags 9,2 Stunden, was eine halbe Stunde lĂ€nger ist als noch zu Zeiten der Coronapandemie im Jahr 2021. [1]
Dieser sogenannte „sedentary Lifestyle“ (sitzender Lebensstil) trĂ€gt maĂgeblich zu den heutzutage vorhandenen gesundheitlichen Problemen und Lifestyleerkrankungen wie Ăbergewicht und Diabetes, Herzkreislauferkrankungen bei. [2]
Wer daher nicht frĂŒhzeitig in Bewegung, Muskeltraining und Aufbau der Körperkraft investiert, wird spĂ€ter viel Zeit mit Kraftlosigkeit und AbhĂ€ngigkeit verbringen mĂŒssen. Es ist daher von essenzieller Bedeutung, die groĂe Gefahr der Sarkopenie, bei vielen, eine noch unbekannte Krankheit als ein Wettrennen gegen die Zeit zu verstehen und wichtige MaĂnahmen dagegen zu ergreifen.
Das Problem der Sarkopenie
Sarkopenie ist ein Begriff, der den altersbedingten RĂŒckgang der Muskelmasse und -funktion beschreibt. Es handelt sich keineswegs ausschlieĂlich um ein Problem des Ălterwerdens. Bereits seit 2016 ist sie als eigenstĂ€ndiges Krankheitsbild bei der Weltgesundheitsorganisation angegeben.
Dieses PhĂ€nomen kann sich bereits in jungen Jahren abzeichnen, wenn unsere Muskulatur nicht ausreichend stimuliert und trainingswirksamen Reizen ausgesetzt wird. Das bloĂe Altern ist nicht die einzige Ursache fĂŒr Sarkopenie. Frei nach dem Motto: wer nicht dran bleibt, verliert.
TatsĂ€chlich beginnt der Körper bereits ab dem 25. Lebensjahr damit, Muskelgewebe abzubauen, sofern wir keine gezielten GegenmaĂnahmen ergreifen.
Dieser Prozess schreitet stetig voran, und es ist von mehr als entscheidender Bedeutung, ihn frĂŒhzeitig zu erkennen und diesem langfristig entgegenzuwirken.
Wenn wir nicht rechtzeitig Gegenwirken, könnte es passieren, dass wir zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr bis zu 40 bis 55% unserer Muskelmasse verlieren (Gilligan, Towbin & Dillman, 2020). Sarkopenie ist also ein gravierendes Anliegen, das jeden von uns betrifft und von dem wir Kenntnis haben sollten, ob Athlet, Sportler oder nicht. [3]
Warum Sarkopenie?

Der Ausdruck „Sarkopenie“ kommt von den griechischen Begriffen „Sarx“, was direkt ĂŒbersetzt Fleisch und „Penia“ Verlust bedeutet. Sarkopenie bezeichnet also, Fleischverlust sinngemÀà also den Verlust von Muskelmasse.[4]
Das Leben ist gekennzeichnet von einem stĂ€ndigen Auf- und Abbau von Muskulatur. Von den ersten Schritten in unserer Kindheit bis zum nachlassenden KrĂ€ftezuwachs im Alter bilden unsere Muskeln das GerĂŒst unseres Lebens, wĂ€hrend uns die Beine durch das Leben tragen. Diese Muskeln sind nicht nur unsere tĂ€glichen Begleiter, sondern auch die Basis fĂŒr Gesundheit und UnabhĂ€ngigkeit.
Ein Leben ohne Muskulatur wĂ€re schlichtweg undenkbar, und der fortschreitende Verlust von Muskelmasse kann ein apokalyptischer Reiter fĂŒr zahlreiche Gesundheitsprobleme sein, darunter Diabetes Typ 2, Osteoporose, Arthrose, RĂŒckenschmerzen, chronische SchmerzzustĂ€nde und ein geschwĂ€chtes Immunsystem.
Die Pflege unserer Muskulatur sollte genauso selbstverstÀndlich sein wie die tÀgliche Körperhygiene, denn ohne kontinuierliche Pflege verlieren wir an Kraft, LeistungsfÀhigkeit und Beweglichkeit.
Unser Leben ist ein stetiger Kreislauf von Muskelarbeit, beginnend mit den ersten Schritten als Kleinkind bis hin zu den nachlassenden KrĂ€ften im Alter. Die Arbeit unserer Muskulatur begleitet uns tagtĂ€glich. Training sollte niemals nur eine Frage des Alters sein, sondern die Antwort auf das gesamte Leben, vor allem fĂŒr mehr LeistungsfĂ€higkeit, Gesundheit und Wohlbefinden.
Viele Menschen sind sich der Gefahr der Sarkopenie nicht bewusst und dass sie die Gesundheit ihrer Muskeln selbst in der Hand haben und vorallem dafĂŒr selbst die Verantwortung tragen. Training ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer gesunden Lebensweise, insbesondere das Muskeltraining, unabhĂ€ngig von der gewĂ€hlten Sportart.
Die gute Nachricht hierbei ist, dass die Gesundheit Ihrer Muskeln wirklich in Ihren eigenen HĂ€nden liegt. RegelmĂ€Ăiges Training, vornehmlich Muskeltraining im Fitnessstudio oder Krafttraining im Verein, kann dazu beitragen, die Auswirkungen der Sarkopenie erheblich zu reduzieren und die LebensqualitĂ€t im Alter signifikant zu steigern, gerade als Sportler.
Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass sportliche AktivitĂ€ten (Radfahren, Laufen, Schwimmen) alleine oft nicht ausreichen, um Sarkopenie effektiv vorzubeugen oder zu bekĂ€mpfen. Die gezielte Arbeit an Muskelmasse, Kraft und -funktion erfordert oft spezifische KrĂ€ftigungsĂŒbungen und Trainingsprogramme, die ĂŒber das hinausgehen, was viele Sportarten bieten können.
Es ist daher mehr als empfehlenswert, gezieltes Muskeltraining als ergÀnzenden Bestandteil Ihrer sportlichen AktivitÀten zu betrachten, um Sarkopenie optimal entgegenzuwirken und auch die LeistungsfÀhigkeit in Ihrer Sportart zu erhalten oder zu verbessern.
In der heutigen Zeit wird uns immer bewusster, wie essenziell eine gesunde und aktive Lebensweise ist, um Krankheiten vorzubeugen. Unsere Muskulatur ist darĂŒber hinaus eine wichtige Versicherung fĂŒr ein selbstbestimmtes, unabhĂ€ngiges und erfĂŒlltes Leben sowie Schutz vor einer Pflegeeinrichtung.
Sarkopenie: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Stellen Sie sich die Sarkopenie wie ein Schachspiel gegen die Zeit vor.
Auf dem Schachbrett befinden sich Ihre Muskeln, und die Zeit ist Ihr stÀrkster Gegner. Jeder Zug, den Sie machen, beeinflusst das Spiel. Wenn Sie nicht klug und rechtzeitig handeln, verlieren Sie wertvolle Figuren, die Ihre Muskeln darstellen.
In einem Schachspiel gibt es klare Regeln und Strategien, die befolgt werden mĂŒssen. Genauso ist es im Kampf gegen die Sarkopenie.
Ihr Zug ist die Investition in regelmĂ€Ăiges Krafttraining, Muskeltraining und eine protein- sowie MikronĂ€hrstoffreiche ErnĂ€hrung. Jeder Zug, den Sie machen, stĂ€rkt Ihre Muskeln und hĂ€lt Ihre Gesundheit intakt. Jeder Zug, den Sie versĂ€umen, ermöglicht es der Zeit, Ihre Muskeln weiter zu entkrĂ€ften. Sarkopenie ist eine Herausforderung, die nicht unbesiegt bleiben darf. Je frĂŒher Sie Ihre Muskeln stĂ€rken, desto besser stehen Ihre Chancen, dieses Schachspiel gegen die Zeit noch zu gewinnen. Warten Sie nicht auf den nĂ€chsten Zug; vollziehen Sie ihn sofort. Ihre Muskeln sind der SchlĂŒssel zu einem gesunden, unabhĂ€ngigen und erfĂŒllten Leben in dieser sich rasch verĂ€ndernden Welt.
Zur PrÀvalenz von Sarkopenie
Einleitung:
Eine aktuelle Studie mit dem Titel „Sarcopenia is associated with disability statusâresults from the KORA-Age study“, durchgefĂŒhrt von Wissenschaftlern in Deutschland, beleuchtet die PrĂ€valenz von Sarkopenie, dem verbreiteten altersbedingten Muskelschwund, der die LebensqualitĂ€t Ă€lterer Menschen stark beeintrĂ€chtigen kann.
Studie und Ergebnisse:
Die Wissenschaftler untersuchten ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum Ă€ltere Erwachsene in der Region Augsburg, Deutschland, und stellten fest, dass Sarkopenie ein mehr als relevantes Gesundheitsproblem ist.
Laut den Erkenntnissen der Studie haben etwa 5,7 % der Menschen ĂŒber 65 Jahre Sarkopenie. Bei Frauen ist die PrĂ€valenz mit etwa 7,5 % höher als bei MĂ€nnern, die mit rund 4 % betroffen sind. Die PrĂ€valenz steigt mit dem Alter, und bei den ĂŒber 80-JĂ€hrigen haben sogar 17 % der Frauen und 9 % der MĂ€nner Sarkopenie. [5]
Verbindung zur Gesundheit und LebensqualitÀt:
Die Auswirkungen von Sarkopenie sind bedeutsam, da sie oft mit BeeintrĂ€chtigungen der körperlichen Funktionen und der LebensqualitĂ€t einhergeht. Ăltere Menschen mit Sarkopenie sind anfĂ€lliger fĂŒr MobilitĂ€tsprobleme und EinschrĂ€nkungen bei alltĂ€glichen AktivitĂ€ten. Diese Erkenntnisse betonen die Bedeutung der frĂŒhzeitigen Erkennung und PrĂ€vention von Sarkopenie, um die Gesundheit und UnabhĂ€ngigkeit Ă€lterer Menschen zu erhalten.[6]
Fazit

In einer zunehmend alternden und digitalisierten Gesellschaft, in der kĂŒnstliche Intelligenz einen immer gröĂeren Platz einnimmt, ist die Sarkopenie weit mehr als nur ein besorgniserregendes Problem. Sie stellt bei Nichtbeachtung eine ernsthafte groĂe zukĂŒnftige Gesundheitskrise dar, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordert.
Muskeltraining ist der SchlĂŒssel, um diesem Verlust von Muskelmasse und -funktion entgegenzuwirken. Es ist niemals zu spĂ€t, mit dem Training zu starten, und die Vorteile sind schlichtweg unschlagbar.
Die gute Nachricht ist, dass die Gesundheit Ihrer Muskeln in Ihren eigenen HĂ€nden liegt. RegelmĂ€Ăiges Training, insbesondere Muskeltraining im Fitnessstudio oder Krafttraining im Verein, kann dazu beitragen, die Auswirkungen der Sarkopenie erheblich zu reduzieren und die LebensqualitĂ€t im Alter signifikant zu steigern, auch als Sportler.
Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass sportliche AktivitÀten alleine oft nicht ausreichen, um Sarkopenie effektiv vorzubeugen oder zu bekÀmpfen.
Die gezielte Arbeit an Muskelmasse, Kraft und -funktion erfordert oft spezifische Ăbungen und Trainingsprogramme, die ĂŒber das hinausgehen, was viele Sportarten bieten können.
Es ist höchste Zeit, sich der Bedeutung der kontinuierlichen Muskelpflege mit Krafttraining bewusst zu werden und konkrete MaĂnahmen zu ergreifen, um fit und unabhĂ€ngig zu bleiben abgesehen vom Alter und Trainingszustand.
Sarkopenie-Patienten und diejenigen, die Sarkopenie verhindern möchten, sollten unbedingt Kraft- und Muskeltraining in ihren Lebensstil integrieren.
Ein solches Training zielt darauf ab, Alltagsfunktionen wie Gehen, Treppensteigen, Aufstehen und Tragen zu verbessern.
Es fördert den Aufbau von Muskelmasse, StÀrke und Schnellkraft, reduziert das Sturzrisiko erheblich und trÀgt zur allgemeinen MobilitÀt und UnabhÀngigkeit bei.
Neben dem Training und einem aktiven Lebensstil ist auch die ErnĂ€hrung von entscheidender Bedeutung. Eine aufbauende ErnĂ€hrung sollte mindestens 1,2 – 1,5 Gramm EiweiĂ je Kilogramm Körpergewicht enthalten, gerade in Bezug zum Schutz vor Sarkopenie, wie eine Untersuchung von Bauer et al. 2013 zeigt. [7], [8]
EiweiĂe sind die fundamentierenden Bausteine fĂŒr die Muskelerholung und -KrĂ€ftigung.
Eine bedarfsgerechte EiweiĂzufuhr in Kombination mit den richtigen Trainingsreizen ist entscheidend, um den Verlust von Muskelmasse zu verhindern oder zu minimieren und die Gesundheit sowie LeistungsfĂ€higkeit der Muskeln zu fördern.
Indem Sie diese beiden SĂ€ulen, nĂ€mlich das richtige Training nach den grundlegenden GesetzmĂ€Ăigkeiten und eine proteinreiche ErnĂ€hrung, in Ihren Lebensstil integrieren, können Sie aktiv dazu beitragen, Sarkopenie zu bekĂ€mpfen und Ihre körperliche Gesundheit zu fördern.
Es ist nie zu spÀt, damit anzufangen, und die Vorteile werden sich in Form von gesteigerter LebensqualitÀt, Wohlbefinden und UnabhÀngigkeit zeigen.[8]
Investieren Sie in Ihre Muskelgesundheit und beginnen Sie noch heute mit Ihrem persönlichen Muskeltrainingsprogramm.
Damit setzen Sie nicht nur ein Zeichen fĂŒr Ihre eigene Gesundheit, sondern auch fĂŒr eine gesĂŒndere und widerstandsfĂ€higere Gesellschaft. Sarkopenie hat weitreichende gesellschaftliche Folgen, und es liegt in unserer Verantwortung, diese Herausforderung anzunehmen und aktiv dagegen anzugehen. Die Zeit zu handeln ist jetzt und nicht morgen.
Wie Sie unschwer erkennen, sind Ihre Muskeln der SchlĂŒssel zu einem gesunden, unabhĂ€ngigen und erfĂŒllten Leben in dieser sich ziemlich rasch verĂ€ndernden Welt.
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Ăber den Autor
Daniel Schoon, Jahrgang 1989, aus Leer in Ostfriesland, ist ein Fitness- und Gesundheitsexperte, Autor von „Der Muskel schafft’s“, Podcasthost von „Fitnessfachtalk“ und leitet erfolgreich einen Fitnessclub. Er vergleicht die Sarkopenie mit einem Schachspiel gegen die Zeit, in dem es darum geht, die Muskeln zu schĂŒtzen und zu stĂ€rken, bevor es irgendwann zu spĂ€t ist.
Quellen & Ressourcen:
1.Muth, C., & Froböse, I. (2023). Wie gesund lebt Deutschland? DKV Deutsche Krankenversicherung AG & Deutsche   Sporthochschule Köln. Abrufbar unter https://www.dkv.com/downloads/Praesentation_DKV_Report_2023_final.pdf Zugriffsdatum: 25. Oktober 2023.
- Francesconi, C., Niebauer, J., Haber, P., Weitgasser, R., & Lackinger, C. (2019). Lebensstil: körperliche AktivitÀt und Training in der PrÀvention und Therapie des Typ 2 Diabetes mellitus (Update 2019).Wiener klinische Wochenschrift,131.
3.Gilligan, L. A., Towbin, A. J., & Dillman, J. R. (2020). Sarkopenieâein Ăberblick.Pediatric Radiology,50, 455-464.
- Norman, K. (2015). Sarkopenie: Bedeutung und Definition im Wandel. Drug Research, 65(S 01), S19-S19.
- Phillips, A., Strobl, R., Vogt, S., Ladwig, K. H., Thorand, B., & Grill, E. (2017). Sarcopenia is associated with disability statusâresults from the KORA-Age study.Osteoporosis International,28(7), 2069-2079.
- Spira, D., Steinhagen-Thiessen, E., Norman, K., & Eckardt-Felmberg, R. (2017). Sarkopenie.Der Klinikarzt,46(12), 624-629.
- Bauer, J., Biolo, G., Cederholm, T., Cesari, M., Cruz-Jentoft, A. J., Morley, J. E., … & Boirie, Y. (2013). Evidence-based recommendations for optimal dietary protein intake in older people: a position paper from the PROT-AGE Study Group.Journal of the american Medical Directors association,14(8), 542-559.
8.Schoon,D. (2023) Der Muskel schafftÂŽs
